Wohnbaukrise in Deutschland! Ab 2027 fehlen ca. 830.000 Wohnungen!
Der Mangel an Wohnungen betrifft nicht mehr nur Ballungszentren, sondern auch Ostdeutschland und Abwanderungsgebiete. Doch was sind die Ursachen dieser Krise und welche Lösungsansätze werden gefordert?
Kommen wir als erstes zu den Ursachen des Wohnungsmangels. Hier zählt auf jeden Fall der unerwartete Anstieg der Bevölkerung als eine der ersten Ursachen. Zwischen 1975 und 1985 war in Deutschland ein deutlicher Rückgang der Bevölkerung zu erkennen. Man ging davon aus, dass dieser Zustand weiterhin anhält und der öffentlich geförderte Wohnungsbau ging zurück. Doch seit 1985 bis heute steigen die Bevölkerungszahlen stetig an. Die Bautätigkeit wird inzwischen wieder mehr, aber der Wohnungsbau bleibt nach wie vor hinter der benötigten Größenordnung.
Die Binnenwanderung gilt als weitere Ursache der Wohnbaukrise. Aufgrund der schlechten Infrastruktur in weniger dicht besiedelten Gebieten kommt es immer häufiger zur Landflucht. Gerade junge Menschen zieht es in die Städte, sei es um zu arbeiten oder auf der Suche nach Bildung. Der Bedarf an kleinen, preisgünstigen Wohnungen ist durch den Wegfall der Wehrpflicht und die steigende Anzahl an Abiturabgängern enorm gestiegen.
Die Zahl der steigenden Singlehaushalte, ist als weitere Ursache des Wohnungsmangels zu sehen. In Deutschland gibt es eine hohe Anzahl von Ein- oder Zweipersonenhaushalten. Diese nehmen natürlich viel Platz weg. In Zukunft wird dies auch in Städten mit stagnierenden oder rückfälligen Bevölkerungszahlen zu einer zusätzlichen Wohnungsnachfrage führen.
Der Rückgang des Sozialwohnungsbestandes verschärft die Wohnkrise zusätzlich. So gab es 1987 noch 5,5 Millionen Sozialwohnungen, die sich bis heute auf etwa 1,5 Millionen reduziert haben. Jedes Jahr fallen ca. 100.000 Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung heraus, nachgebaut wird nur in unzureichendem Umfang. Diese Entwicklung trägt zur schwierigen Versorgungslage im preiswerten Marktsegment bei. Der Bedarf an Sozialwohnungen ist aktuell aufgrund niedriger Mietobergrenzen bei Bürgergeld-Empfängern, hohen Energiekosten und niedrigen Gehältern sehr hoch.
Wohninvestments verschärfen die Lage zusätzlich. Das Steuerreformgesetz von 1990 hob die Wohnungsgemeinnützigkeit auf. Dies führte zu einem mehr rendite- statt sozialorientierten Wohnungsbau. Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank haben es sich Spekulanten und Investoren zur Aufgabe gemacht Bauland zu erwerben, um es später teurer wieder zu veräußern. Dadurch haben sich die Preise für Bauland und Wohneigentum in Städten etwa verdoppelt. Immobilienkonzerne profitieren von der aktuellen Wohnungsnot und verschlimmern die Situation dadurch, dass sie Wohnungen erwerben, um sie dann gewinnbringend zu verkaufen.
Zu all den Ursachen für die Wohnbaukrise kommen auch noch komplexe Baustandards hinzu. Die Vorschriften in Deutschland sind sehr streng und kompliziert, was zu höheren Baukosten führt. Aufwendige Richtlinien, Genehmigungsprozesse oder Auflagen der Bauaufsichtsbehörde, all das machen die Baudurchführungen zu einem komplizierten Prozess mit hohem Aufwand. Dies spiegelt sich in den Immobilen- und Mietpreisen wieder.
Die Zweckentfremdung von bestehendem Wohnraum spielt auch eine große Rolle. Als Beispiel sind hier Wohnungen, die an Feriengäste vermietet werden zu nennen, da diese Wohnungen nicht als dauerhafter Wohnraum zur Verfügung stehen.
Die Folgen der Wohnbaukrise sind Überbelebung bestehenden Wohnraums, steigende Mietpreise sowie Obdachlosenzahlen und soziale Segregation.
Was aber tun, um die Krise aufzuhalten?
Auf dem Wohnbautag 2022 verlangten Bau- und Immobilienverbände nach Lösungen seitens der Politik. Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW erwartet von der neuen Bundesregierung „jetzt den Weg frei machen für klimaschonendes Bauen und Modernisieren, das für alle bezahlbar ist.“
Das Expertenbündnis meint, dass man nur durch ein Bündel von Maßnahmen bezahlbaren Wohnraum schaffen kann.
Folgendes wurde vorgeschlagen:
Steuererleichterung für Neubau
Die Regierung will neue steuerliche Anreize für Bauherren schaffen. Bei Neubauten sollen zukünftig drei statt zwei Prozent der Kosten abgeschrieben werden können. Zusätzlich soll die Wiedereinführung der Wohngemeinnützigkeit weitere Steuervorteile und Investitionszusagen bringen.
Förderung von energieeffizientem Bauen ausweiten
Umwandlung von Nicht-Wohngebäuden
Um die Wohnungsnot einzudämmen raten Experten zum Umwidmen von Nicht-Wohngebäuden. Arge hat errechnet, dass so ca. 1,86 Millionen Wohnungen bis 2040 im innerstädtischen Bereich umgebaut werden könnten. Deshalb sollten bestehende Gebäude auf ihre Weiterverwendung und ihr bestehendes Potenzial hin überprüft werden.
Mehr Möglichkeiten für Nachverdichtung
Auf Parkhäusern und Supermärkten könnten laut Studien über eine Million Wohnungen entstehen, die ein Vielfaches günstiger wären als im Neubau. Hierfür müssen auch keine weiteren Flächen versiegelt werden. Um dies durchzuführen, müssten steuerliche Anreize für die Umnutzung von Gewerbeimmobilien zu Wohnraum ausgebaut werden, fordert die Studie.
Mehr Maßnahmen für Sozialwohnungen
Aktuell dürfte nur noch für jeden 20. Mieter eine Sozialwohnung zur Verfügung stehen. Doch mehr als die Hälfte aller Mieter hätten laut ihres Einkommens das Recht auf eine solche. Das Ziel ist nun, 100.000 neue Sozialwohnungen zu schaffen. Zusätzlich sollen noch weitere Mittel, wie Modernisierungen im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung, eine Verlängerung von Belegbindungen, der Ankauf von Belegbindungen und Anwartschaften sowie steuerliche Anreize eingesetzt werden.
Neue Fachkräfte – Initiative
Aktuell fehlt es in Bauberufen an Fachexperten. Dies bremst die Schaffung von Neubauten enorm. Derzeit können tausende von Stellen nicht besetzt werden. Die Studie der Arge fordert daher eine langfristige Beschäftigungsinitiative im Baugewerbe und der Bauindustrie für den Ausbau der notwendigen Kapazitäten.
Digitalisierung der Verwaltung
Um die schnelle Zuweisung bei Bauanträgen zu gewährleisten, braucht es eine rasche Digitalisierung der Bauämter sowie des gesamten Bauprozesses. Immobilienexperte Michael Voigtländer hält hierfür einen Stadtentwicklungsfonds des Bundes für sinnvoll.
Kombiniert man Ursachenbekämpfung mit den vorgeschlagenen Maßnahmen, könnte die Wohnbaukrise in den Griff zu bekommen sein. Doch dies sollte so schnell als möglich vonstattengehen, denn wie anfangs erwähnt, fehlen bis 2027 ca. 830.000 Wohnungen.
Autorin: Marlene Stossier für The Green Consultant GmbH
Serielle Sanierung im Holzbau: Nachhaltige Lösungen für die Zukunft
In einer Welt, in der Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein immer wichtiger werden, stehet man vor der Herausforderung, die bestehenden Strukturen zu verbessern, ohne dabei die Ressourcen der Erde zu erschöpfen. Der Holzbau hat sich als eine der vielversprechendsten Lösungen erwiesen, um dieses Ziel zu erreichen. Doch wie können bereits bestehende Holzgebäude saniert werden, um ihre Lebensdauer zu verlängern und gleichzeitig ihre Nachhaltigkeit zu verbessern? Die Antwort lautet: serielle Sanierung.
Die Notwendigkeit der Sanierung im Holzbau
Warum ist die Sanierung von Holzbauten überhaupt notwendig? Holz ist zwar ein nachhaltiger Baustoff, aber auch er unterliegt dem Verschleiß und der Alterung. Witterungseinflüsse, Feuchtigkeit, Schädlinge und mechanische Beanspruchung können im Laufe der Zeit zu Schäden führen, die die Struktur und Stabilität des Gebäudes beeinträchtigen. Um den Wert und die Funktionalität eines Holzgebäudes zu erhalten, ist es daher unerlässlich, regelmäßige Sanierungsmaßnahmen durchzuführen.
Die Herausforderungen herkömmlicher Sanierungsmethoden
Traditionelle Sanierungsmethoden im Holzbau können jedoch mit einigen Herausforderungen verbunden sein. Einzelne Sanierungsprojekte erfordern oft einen hohen Ressourceneinsatz und können zeitaufwändig sein. Darüber hinaus kann es schwierig sein, einheitliche Standards und Qualitätskontrollen zu gewährleisten, insbesondere bei historischen oder denkmalgeschützten Gebäuden. Dies führt nicht nur zu höheren Kosten, sondern auch zu einer erhöhten Umweltbelastung durch den Verbrauch von Materialien und Energie.
Die Lösung: Serielle Sanierung im Holzbau
Serielle Sanierung bietet eine innovative Lösung für diese Herausforderungen. Bei dieser Methode werden standardisierte Sanierungsmodule entwickelt, die in Serie hergestellt und dann auf verschiedene Gebäude angewendet werden können. Diese Module können verschiedene Aspekte der Sanierung abdecken, von der Tragstruktur über die Dämmung bis hin zur Fassadengestaltung. Durch die Standardisierung können Kosten gesenkt, die Effizienz gesteigert und die Qualität verbessert werden.
Die Vorteile der seriellen Sanierung
Nachhaltigkeit: Serielle Sanierung reduziert den Ressourcenverbrauch, da standardisierte Module in großem Maßstab hergestellt und wiederverwendet werden können. Darüber hinaus ermöglicht sie eine präzise Planung und Materialauswahl, um die Umweltbelastung zu minimieren.
Kosteneffizienz: Durch die Standardisierung und Serienproduktion können die Kosten für Materialien und Arbeitskräfte gesenkt werden. Dies macht serielle Sanierung zu einer wirtschaftlich attraktiven Option für Bauherren und Eigentümer.
Zeitersparnis: Da die Sanierungsarbeiten weitgehend im Voraus geplant und vorbereitet werden können, verkürzt sich die Bauzeit erheblich. Dies minimiert die Ausfallzeiten und Unannehmlichkeiten für die Bewohner oder Nutzer des Gebäudes.
Qualitätssicherung: Durch die Verwendung standardisierter Module können hohe Qualitätsstandards leichter eingehalten werden. Zudem ermöglicht die Wiederholbarkeit der Prozesse eine kontinuierliche Verbesserung und Optimierung.
Flexibilität: Serielle Sanierung ist nicht nur für bestimmte Gebäudetypen oder -größen geeignet, sondern kann auch an die spezifischen Anforderungen und Bedürfnisse einzelner Projekte angepasst werden. Dies macht sie zu einer vielseitigen Lösung für eine Vielzahl von Sanierungsprojekten.
Die Potenziale der seriellen Sanierung im Holzbau in Deutschland:
Die Potenziale der seriellen Sanierung im Holzbau in Deutschland sind bedeutend und können in verschiedenen Bereichen quantifiziert werden:
CO2-Einsparungen: Durch die breite Anwendung serieller Sanierungsmethoden könnten beträchtliche CO2-Emissionen eingespart werden. Eine Studie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit schätzt, dass bis zum Jahr 2030 durch die umfassende Nutzung serieller Sanierungstechniken jährlich etwa 20 Millionen Tonnen CO2-Emissionen reduziert werden könnten.
Energieeffizienzsteigerung: Serielle Sanierung ermöglicht die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden, was zu signifikanten Einsparungen bei Heiz- und Kühlkosten führen kann. Studien zeigen, dass durch die Implementierung hochenergieeffizienter Sanierungsmodule der Energieverbrauch von Gebäuden um bis zu 50% gesenkt werden kann.
Wirtschaftliche Effekte: Die Einführung serieller Sanierungstechniken im Holzbau könnte auch beträchtliche wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. Eine Studie des Instituts für Bauwirtschaft und Baumanagement schätzt, dass durch die vermehrte Nutzung standardisierter Sanierungsmodule bis zum Jahr 2030 etwa 50.000 neue Arbeitsplätze im Bereich der Sanierung entstehen könnten.
Ressourceneinsparungen: Die Standardisierung und Wiederverwendung von Sanierungsmaterialien reduziert den Bedarf an neuen Baumaterialien erheblich. Es wird geschätzt, dass durch die serielle Sanierung im Holzbau jährlich mehrere Millionen Kubikmeter Holz und andere Baumaterialien eingespart werden könnten.
Verbesserung der Wohnqualität: Neben den ökonomischen und ökologischen Vorteilen trägt die serielle Sanierung auch zur Verbesserung der Wohnqualität bei. Durch die Modernisierung und energetische Aufrüstung von Gebäuden wird der Wohnkomfort gesteigert und ein gesünderes Raumklima geschaffen.
Diese Potenziale verdeutlichen die Bedeutung und den Nutzen der seriellen Sanierung im Holzbau für eine nachhaltige Entwicklung und zeigen das enorme Potenzial dieser innovativen Sanierungsmethode auf.
Beispiele für erfolgreiche serielle Sanierungsprojekte
Modulare Fassadensysteme: Durch den Einsatz standardisierter Fassadenelemente können alte Holzfassaden schnell und effizient erneuert werden. Dies wurde beispielsweise bei Wohngebäuden in urbanen Gebieten erfolgreich angewendet, um ihr Erscheinungsbild zu modernisieren und ihre Energieeffizienz zu verbessern.
Tragwerkssanierung: Standardisierte Tragwerkssysteme können eingesetzt werden, um die strukturelle Integrität alter Holzgebäude zu erhalten oder zu verbessern. Dies wurde beispielsweise bei historischen Bauwerken wie Kirchen und Fachwerkhäusern erfolgreich umgesetzt.
Innenausbau und Dämmung: Durch standardisierte Innenausbau- und Dämmsysteme können Holzgebäude energetisch aufgerüstet und ihr Wohnkomfort erhöht werden. Dies wurde beispielsweise bei Schulen und öffentlichen Gebäuden erfolgreich angewendet, um den Energieverbrauch zu reduzieren und ein gesundes Raumklima zu schaffen.
Energiesprong DE: Ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung serieller Sanierung in Deutschland ist das Projekt Energiesprong DE. Energiesprong ist eine Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, die energetische Sanierung von Gebäuden durch standardisierte und industrialisierte Lösungen zu revolutionieren. In Deutschland wurden bereits mehrere Pilotprojekte realisiert, bei denen Wohngebäude durch hochenergieeffiziente Sanierungsmodule auf den sogenannten „Net-Zero-Energie“-Standard gebracht wurden. Diese Sanierungsmethode hat das Potenzial, den Markt für nachhaltige Sanierungen in Deutschland maßgeblich zu prägen und eine breite Akzeptanz für serielle Sanierungslösungen zu schaffen.
Fazit:
Die serielle Sanierung im Holzbau bietet eine nachhaltige und effiziente Lösung, um bestehende Holzgebäude zu erhalten und zu verbessern. Durch die Standardisierung und Serienproduktion von Sanierungsmodule können Kosten gesenkt, Bauzeiten verkürzt und die Qualität gesichert werden. Damit leistet serielle Sanierung einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer gebauten Umwelt und zur Förderung einer nachhaltigen Zukunft.